{"id":2423,"date":"2015-05-18T10:35:28","date_gmt":"2015-05-18T10:35:28","guid":{"rendered":"https:\/\/old.foilingweek.com\/?p=2423"},"modified":"2015-05-18T10:35:28","modified_gmt":"2015-05-18T10:35:28","slug":"enorme-entwicklung-im-segeln-fliegen-knapp-uber-dem-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foilingweek.com\/it\/enorme-entwicklung-im-segeln-fliegen-knapp-uber-dem-wasser\/","title":{"rendered":"Enorme Entwicklung im Segeln: Fliegen knapp \u00fcber dem Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Vom\u00a0Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2424\" src=\"https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/alinghi.jpg\" alt=\"Alinghi GC32\" width=\"643\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/alinghi.jpg 643w, https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/alinghi-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr Ernesto Bertarelli war es Neuland. Mit den Foils hatte der zweifache America&#8217;s-Cup-Sieger und erfahrene Kat-Segler kaum Erfahrungen, als er vor zwei Monaten an einer Test-Regatta auf GC32-Booten in Marseille teilnahm. \u00abDas hat unglaublich Spass gemacht\u00bb, bilanzierte der Genfer nach der Regatta auf den zehn Meter langen Einheitskatamaranen, den Great-Cup32-Hightech-Booten auf zwei Kufen. Diese junge Bootsklasse ist mit J-Foils und T-Ruder ausger\u00fcstet, bei entsprechendem Wind k\u00f6nnen sich die beiden Kufen bis zu anderthalb Meter abheben. Dadurch fliegt der Kat f\u00f6rmlich \u00fcber das Wasser. Die \u00abfliegenden Boote\u00bb sind aus dem letzten America&#8217;s Cup 2013 bekannt, der von Oracle gewonnen wurde. Die Crew hatte zum Schluss der Regatta den Umgang mit den Tragfl\u00fcgeln besser beherrscht als der Gegner aus Neuseeland.<\/p>\n<p><strong>Fliegende Boote<\/strong><br \/>\nIm America&#8217;s Cup wurden Foils der ersten Generation bereits 2010 eingesetzt. Doch in Valencia stand damals das 70 Meter hohe starre Fl\u00fcgelsegel des Oracle-Trimarans vor allem wegen seiner Gr\u00f6sse im Mittelpunkt. In Bermuda, wo 2017 die n\u00e4chste Ausgabe des prestigetr\u00e4chtigsten Segelrennens stattfindet, wird der Fl\u00fcgelmast nur eine untergeordnete Rolle spielen, weil alle Konkurrenten den gleichen haben werden. Bei den Foils jedoch geniessen die Designer eine gewisse Freiheit, und gewinnen wird diejenige Crew, die das Segeln auf den Tragfl\u00fcgeln am besten beherrscht. Verst\u00e4ndlich deshalb, dass die Segler der teilnehmenden Teams bereits jetzt auf diversen kleinen Foilern das \u00abFliegen \u00fcber dem Wasser\u00bb \u00fcben.<\/p>\n<p><strong>Im Flugmodus auf kleinen Booten<\/strong><br \/>\nwr. Ein Foil funktioniert wie der Fl\u00fcgel eines Flugzeugs. Bei gen\u00fcgender Geschwindigkeit erzeugt es Auftrieb, so dass die Bootsr\u00fcmpfe aus dem Wasser gehoben werden. Dadurch verringert sich der Widerstand im Wasser, die Boots-Geschwindigkeit erh\u00f6ht sich. Auf geraden Strecken ist das leichter zu bewerkstelligen, schwieriger wird das Foilen beim Wenden und Halsen. J\u00fcngstes Produkt auf dem hart umk\u00e4mpften Markt der foilenden Sport-Katamarane ist der \u00abFlying Phantom\u00bb, der f\u00fcr zwei Personen gedacht ist und rund 30 000 Euro kostet. Der Oracle-Coach Philippe Presti bestellte mehrere Exemplare f\u00fcr sein Team. Die Erfahrung beim Folien mit kleinen Booten sei sehr hilfreich. Die Crew w\u00fcrde viel \u00fcber das Verhalten im Flugmodus lernen.<\/p>\n<p>Mit dem gleichen Boot wird Red Bull f\u00fcr 16 bis 20 Jahre alte Segler, die sogenannte Foiling-Generation, eine Regatta-Serie in sieben L\u00e4ndern durchf\u00fchren. Rechtzeitig auf den Foiling-Boom gesetzt hat auch Flavio Marazzi. Seit 2013 segelt er in der GC32-Serie mit, wo er jetzt auf die Bertarelli-Konkurrenz trifft. Der vierfache Olympiateilnehmer aus Bern bevorzugt starke Winde. Verst\u00e4ndlich, denn bei Winden unter zehn Knoten bleiben die R\u00fcmpfe vollst\u00e4ndig im Wasser, und der angestrebte Flugmodus f\u00e4llt dahin.<\/p>\n<p>Um diese Entwicklung nicht zu verpassen, hat sich Alinghi f\u00fcr die Teilnahme am GC32-Circuit entschlossen, m\u00f6glicherweise auch im Hinblick auf eine sp\u00e4tere Cup-Teilnahme. Ebenso nimmt Spindrift Racing an dieser Serie teil, der Rennstall, der von Bertarellis Schwester Dona und deren Lebenspartner Yann Guichard gef\u00fchrt wird. \u00abDen fliegenden Booten geh\u00f6rt die Zukunft\u00bb, sagt der Franzose Guichard zum Engagement von Spindrift. Im Segeln geht die Entwicklung der ersten Hydrofoils, die in der motorisierten Schifffahrt schon seit \u00fcber einhundert Jahren eingesetzt werden, unter anderem auf die franz\u00f6sische Segellegende Yves Tarbaly zur\u00fcck. Tarbalys Mitsegler Alain Th\u00e9baut sorgte 2009 mit dem Hydropt\u00e8re f\u00fcr Furore, als er den Weltrekord auf Kurzdistanzen brach.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2425\" src=\"https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/segeln-grafik.jpg\" alt=\"segeln-grafik\" width=\"620\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/segeln-grafik.jpg 620w, https:\/\/foilingweek.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/segeln-grafik-300x115.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Der entscheidende Durchbruch gelang jedoch in der Moth-Klasse (Motte), die Anfang dieses Jahrhunderts dank den Freiheiten in der Konstruktion die Einf\u00fchrung von Foils erm\u00f6glichte. Den Siegeszug traten die Foils danach an, weil sich Oracle in der Entscheidung um den 33. America&#8217;s Cup 2010 f\u00fcr ein Mehrrumpf-Boot entschied und sich in Valencia gegen Alinghi durchsetzte. Damit war die Basis f\u00fcr den Katamaran mit Foils als neues Cup-Boot gelegt. 2013 sorgte der AC72 in San Francisco f\u00fcr den spektakul\u00e4rsten Cup der Geschichte. Die Racer aus Amerika und Neuseeland flogen f\u00f6rmlich \u00fcber das Wasser und erreichten Geschwindigkeiten von \u00fcber 80 km\/h.<\/p>\n<p>Dank der Weiterentwicklung der Foils k\u00f6nnte der Oracle-Besitzer Larry Ellison seine Vision, den Segelsport der Facebook-Generation n\u00e4herzubringen, am 35. America&#8217;s Cup in Bermuda doch noch realisieren. Die Spitzensegler wollen auf den Rausch der Geschwindigkeit nicht mehr verzichten, und auch der segelnde Nachwuchs ist fasziniert von den Foilern, die in kleineren Versionen Geschwindigkeiten von \u00fcber 60 km\/h erreichen. So ist kaum verwunderlich, dass im Sog der j\u00fcngsten Cup-Entwicklung ein regelrechter Foiler-Boom ausgebrochen ist.<\/p>\n<p><strong>Neue Dimension<\/strong><br \/>\nNils Frei, seit vielen Jahren auf den Alinghi-Booten Segeltrimmer, spricht sogar von einer neuen Dimension im Segeln. \u00abEs ist eine richtige Revolution im Gange, die ich in keiner anderen Sportart beobachte\u00bb, sagt der Bieler. M\u00f6glich sei diese rasende Entwicklung, weil die Foils dank neuster Technologie trotz starker Belastung nicht mehr brechen. Die L-, T- oder J-f\u00f6rmigen Foils seien sehr flexibel geworden. Und man stehe erst am Anfang dieser Entwicklung, in f\u00fcnf Jahren k\u00f6nnten die Foils noch dynamischer sein und auch punkto Form weit differenzierter.<\/p>\n<p>Der technologische Fortschritt im Segelsport fasziniert Frei. Zusammen mit seinem Mitsegler Yves Detray hat er einen foilenden Kitekat entwickelt. Der Prototyp erregte letztes Jahr an der \u00ab<strong>Foiling Week<\/strong>\u00bb Aufsehen. Neben dem Erfahrungsaustausch gab es in jener Woche auf dem Gardasee auch spektakul\u00e4re Rennen zwischen diversen Sportger\u00e4ten mit Foils. Die neuste Entwicklung ist bei den Kitesurfern zu beobachten: Sie haben ebenfalls ein Foil unter dem Board montiert. Frei hat sich selber ein solches Brett zugelegt, er prophezeit einen Boom, \u00abweil foilende Kiteboards das schnellste sind, was es gegenw\u00e4rtig auf den Seen gibt\u00bb.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Foils-Technologie macht \u00fcbrigens auch vor den Einrumpf-Booten nicht halt. In der n\u00e4chsten Vend\u00e9e Globe, der Weltumsegelung f\u00fcr Einhandsegler, werden 2016 mindestens ein halbes Dutzend Open 60 mit Foils am Start sein. Bei der Minitransat, der Einsteiger-Regatta f\u00fcr Solo-Segler, sind Foils ebenso ein Thema. In beiden F\u00e4llen werden die Boote zwar nicht \u00abfliegen\u00bb k\u00f6nnen, sie werden aber schneller durchs Wasser gleiten.<\/p>\n<p><strong>Grosser Traum<\/strong><br \/>\nDer ultimative Traum der Segler und Designer allerdings ist die Entwicklung eines Mehrrumpfbootes, das die Welt auf Foils in Rekordzeit umsegeln kann. Fran\u00e7ois Gabart, der franz\u00f6sische Shootingstar der Branche, spricht punkto Bootsentwicklung von \u00abeiner fliegenden Epoche, die vor uns liegt\u00bb. Er wisse nicht, ob er derjenige sein werde, der als Segler den Rekord-Versuch unternehmen k\u00f6nne. \u00abAber ich bin sicher, dass es eines Tages ein Boot gibt, das um die Welt fliegen wird.\u00bb<\/p>\n<p><strong>America&#8217;s Cup: Aufgehende Sonne statt roter Mond<\/strong><br \/>\nwr. \u22c5 Es klang wie eine Drohung. Trotzig reagierte Russell Coutts auf den Abgang des italienischen Challengers Luna Rossa: \u00abDie Japaner werden kommen\u00bb, sagte der CEO des Cup-Verteidigers Oracle. Nun ist eine Challenge aus dem Land der aufgehenden Sonne akzeptiert. Finanziert wird das Team von Son Masayoshi, einem der reichsten Japaner (Telekommunikation und Medien). Offizieller Herausforderer ist der Kansai Yacht Club, der wohl auf die Dienste von Dean Barker z\u00e4hlen kann. Der langj\u00e4hrige Skipper und Steuermann von Team New Zealand war Ende Februar \u00fcberraschend entlassen worden. Unterst\u00fctzt werden die Japaner auch von Defender Oracle, der \u00abtechnische Hilfe\u00bb zugesagt hat. Diese wird, wie beim Team France, sollte diese Challenge zustande kommen, ein Basis-Design-Paket f\u00fcr den neuen 48-Fuss-Katamaran umfassen. Japan war bisher drei Mal am America&#8217;s Cup dabei: 1992, 1995 und 2000. Das beste Resultat gelang 1992, als Chris Dickson, sp\u00e4ter Skipper von Oracle, das Team in die Halbfinals f\u00fchrte. Oracle-Besitzer Larry Ellison ist Japan-Fan, alle seine Jachten tragen japanische Namen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom\u00a0Neue Z\u00fcrcher Zeitung F\u00fcr Ernesto Bertarelli war es Neuland. 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